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Unternehmens-IT im Überblick

Bevor 42°OS in eine bestehende IT-Landschaft integriert werden kann, hilft es zu verstehen was dort eigentlich vorhanden ist. Dieser Überblick erklärt die wichtigsten Systeme und Begriffe ohne Vorkenntnisse vorauszusetzen.


Die wichtigsten Systeme

ERP-System

ERP steht für Enterprise Resource Planning — auf Deutsch: Unternehmensressourcenplanung. Ein ERP-System ist die zentrale Datendrehscheibe eines Unternehmens. Es verwaltet:

  • Aufträge und Bestellungen
  • Lagerbestände und Warenwirtschaft
  • Rechnungsstellung und Buchhaltung
  • Einkauf und Lieferanten
  • Produktion und Fertigungsaufträge

Bekannte ERP-Systeme: SAP, Microsoft Dynamics 365, DATEV, Sage, proALPHA, Infor, Abas.

Ein ERP ist typischerweise das System of Record — die maßgebliche Quelle der Wahrheit für Geschäftsdaten. Wenn ein Auftrag im ERP steht, ist er offiziell.

CRM-System

CRM steht für Customer Relationship Management — Kundenbeziehungsmanagement. Das CRM verwaltet alles rund um Kunden und Interessenten:

  • Kontaktdaten und Ansprechpartner
  • Verkaufschancen und Angebote
  • Kommunikationshistorie (E-Mails, Anrufe, Meetings)
  • Vertriebspipeline

Bekannte CRM-Systeme: Salesforce, HubSpot, Microsoft Dynamics CRM, Pipedrive, CentralStation.

ERP und CRM überschneiden sich bei Kundendaten — viele Unternehmen kämpfen damit dass dieselben Kunden in beiden Systemen gepflegt werden müssen, teils mit abweichenden Daten.

Datenbank

Eine Datenbank ist ein strukturiertes System zur Speicherung und Abfrage von Daten. Anders als eine Excel-Datei ist eine Datenbank für gleichzeitige Zugriffe durch viele Nutzer und große Datenmengen ausgelegt.

Jede relevante Unternehmenssoftware speichert ihre Daten in einer Datenbank — ERP, CRM, Webshop, Produktionsplanung. Die Datenbank ist unsichtbar im Hintergrund, aber das Fundament von allem.

Verbreitete Datenbanksysteme: PostgreSQL, MySQL, Microsoft SQL Server (MSSQL), Oracle, SQLite (für kleinere Anwendungen).

Der Unterschied zwischen einem ERP und einer Datenbank: Das ERP ist die Anwendung mit Benutzeroberfläche und Geschäftslogik. Die Datenbank ist der Speicher darunter. Ein ERP ohne Datenbank existiert nicht.

Fileserver / Netzlaufwerk

Ein Fileserver ist ein zentraler Speicher für Dateien im Unternehmensnetzwerk — das digitale Equivalent eines gemeinsamen Aktenschranks. Mitarbeitende greifen über Laufwerksbuchstaben (z. B. S:\) oder UNC-Pfade (\\server\freigabe\) darauf zu.

Technisch läuft das meist über das SMB-Protokoll (Server Message Block) — deshalb spricht man in 42°OS von SMB Share.

Typische Inhalte: Rechnungen, Lieferscheine, Konstruktionszeichnungen, Verträge, Berichte.

E-Mail-Server

Der E-Mail-Server empfängt und sendet E-Mails für alle Mitarbeitenden. Er ist für 42°OS relevant wenn Workflows E-Mails verarbeiten (Rechnungen per Mail empfangen) oder versenden (Benachrichtigungen, Berichte).

Verbreitete Protokolle für den Empfang: IMAP (hält E-Mails auf dem Server), POP3 (lädt E-Mails herunter). Für den Versand: SMTP.

Verbreitete Plattformen: Microsoft Exchange / Microsoft 365, Google Workspace, mailcow (selbst gehostet).

Active Directory (AD) und LDAP

Das Active Directory (AD) ist Microsofts System zur Benutzerverwaltung in Unternehmensnetzwerken. Es speichert:

  • Alle Benutzerkonten mit Passwörtern
  • Gruppen und Berechtigungen
  • Computer und Geräte im Netzwerk
  • Richtlinien (wer darf was)

Wenn ein Mitarbeitender sich morgens an seinem Windows-PC anmeldet, prüft Windows seine Zugangsdaten gegen das Active Directory.

LDAP (Lightweight Directory Access Protocol) ist das Protokoll über das man mit dem Active Directory (und ähnlichen Verzeichnisdiensten) kommuniziert. Wenn in einer Software-Konfiguration "LDAP-Anbindung" steht, bedeutet das: die Software fragt beim Active Directory nach ob ein Benutzer existiert und sein Passwort korrekt ist — statt eine eigene Benutzerdatenbank zu führen.

Für 42°OS relevant: In größeren Unternehmen wird erwartet dass sich Mitarbeitende mit ihrem bestehenden Unternehmensaccount anmelden können, nicht mit einem separaten Passwort. Das nennt sich Single Sign-On (SSO).

Weitere Systeme die häufig vorkommen

Dokumentenmanagementsystem (DMS) — zentrales Archiv für Dokumente mit Versionshistorie und Suchfunktion. Beispiele: ELO, DocuWare, d.3.

Warenwirtschaftssystem (WWS) — spezialisiertes ERP-Modul für Handel: Artikelstamm, Lager, Bestellwesen. Oft eigenständig bei kleineren Händlern.

MES (Manufacturing Execution System) — Fertigungssteuerung in der Produktion, verbindet ERP-Aufträge mit Maschinen und Werkern.

EDI (Electronic Data Interchange) — standardisierter elektronischer Datenaustausch zwischen Unternehmen, z. B. Bestellungen und Rechnungen im EDIFACT- oder X12-Format.


Wie diese Systeme in der Praxis zusammenhängen

In einem typischen mittelständischen Fertigungsunternehmen sieht es ungefähr so aus:

Kunde schickt Bestellung per E-Mail

E-Mail-Server empfängt die E-Mail

42°OS liest die E-Mail via IMAP
extrahiert Bestelldaten

Sucht Kunden im ERP (Datenbankabfrage oder API)

Legt Auftrag im ERP an

Speichert Original-E-Mail und Dokumente auf dem Fileserver (SMB)

Schickt Auftragsbestätigung per E-Mail zurück

Jedes System hat seine Aufgabe. 42°OS ist der Verbindungsknoten — es liest aus einem System, verarbeitet, und schreibt in ein anderes.


Zugangsdaten verstehen

Jedes System braucht Zugangsdaten damit 42°OS sich verbinden darf. Ein typischer Datenbankzugang besteht aus:

FeldBedeutungBeispiel
hostAdresse des Servers im Netzwerkerp-db.intern oder 192.168.1.50
portTürnummer des Dienstes auf dem Server5432 (PostgreSQL), 1433 (SQL Server)
databaseName der Datenbank auf dem Servererp_produktion
usernameBenutzername für den Zugriff42os_readonly
passwordPasswort für den Benutzer...

Host und Port zusammen identifizieren genau einen Dienst auf einem bestimmten Server. Ein Server kann viele Dienste auf verschiedenen Ports anbieten — Port 5432 ist PostgreSQL, Port 80 ist HTTP, Port 443 ist HTTPS, Port 25 ist SMTP.

Für einen SMB-Zugang (Fileserver) sieht es ähnlich aus, aber mit Pfadangabe statt Datenbankname:

FeldBedeutungBeispiel
hostServer-Adresse\\fileserver oder 192.168.1.10
shareName der FreigabeDokumente
usernameDomäne\BenutzernameFIRMA\svc_42os
passwordPasswort...

Für E-Mail (IMAP):

FeldBedeutungBeispiel
serverAdresse des Mailserversmail.firma.de
portIMAP-Port993 (verschlüsselt)
usernameE-Mail-Adresse oder Loginnameeingang@firma.de
passwordPasswort des Postfachs...